Kleine Geschichte der LaLecheLiga Deutschland PDF Drucken E-Mail

Ausgehend von den amerikanischen Frauen in den Militärbasen kam der LLL-Gedanke auch in Deutschland an. Die ersten LLL-Gruppen in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts waren dementsprechend zunächst englischsprachige Gruppen, geleitet von amerikanischen Beraterinnen. Bald nahmen aber auch die ersten deutschen Frauen als stillende Mütter an diesen Gruppen teil und es wurden die ersten deutschen La Leche Liga-Stillgruppen gegründet. Edda Langmann und Hannah Lothrop waren die ersten deutschen Beraterinnen, die damals noch auf Englisch von La Leche Liga International von Amerika aus ausgebildet wurden.

Nach und nach wuchs der Wunsch, La Leche Liga als „richtigen“ Verein auch hier in Deutschland zu haben und so kam es dann 1977 zur Vereinsgründung. Die erste Satzung, die zur Vereinsgründung so wichtig ist, wurde am 30.04.1977 beschlossen. Dieses Datum ist quasi die Geburtsstunde von La Leche Liga Deutschland e. V.

Sylvia Brunn war die erste Vorsitzende. Der Sitz des Vereins war damals noch Bonn. Die ersten Jahre waren eine aufregende Zeit, aber auch nicht krisenfrei. LLL boomte, viele Frauen ließen sich ausbilden oder wollten sich zur Stillberaterin ausbilden lassen. Anfang der achtziger Jahre kam es zur schwersten Krise in der Vereinsgeschichte; der Verein verlor seine erste Vorsitzende zusammen mit vielen Beraterinnen und Bewerberinnen. (Die ausgeschiedenen Beraterinnen schlossen sich dann zum Teil zur Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen zusammen). La Leche Liga war führungslos! Christiane Pfitzenmaier übernahm den Notvorstand.

1982 wurde Edda Langmann als neue erste Vorsitzende gewählt, die Mitgliederversammlung genehmigte eine neue Satzung, der Vereinssitz wurde von Bonn nach München verlegt. Außerdem war es gelungen, den Namen La Leche League in La Leche Liga zu ändern. Das heute nicht mehr existierende Münchener Postfach wurde eingerichtet, und erstmals hatten Mütter die Möglichkeit, sich an eine zentrale Stelle zu wenden, wenn sie Fragen hatten. Im Zeitalter des Computers und des elektronischen Schriftverkehrs ist es heute kaum noch vorstellbar, dass zu jener Zeit jeder Beraterinnenbrief, jede Einladung zu einer Mitgliederversammlung mühsam auf der Schreibmaschine getippt wurde. Und ein zentrales Postfach, von dem aus die Post dann an die Beraterin in der Region weitergeleitet wurde, war schon ein Riesenfortschritt, denn so konnte es nicht mehr passieren, dass eine Beraterin angeschrieben wurde, die entweder verzogen oder gar ausgeschieden war. Heute ist das Postfach aufgelöst, eine zentrale Geschäftsstellenadresse und vor allem eine zentrale E-Mailadresse haben dessen Funktion übernommen.

Seit 1981 gab es das Standardwerk der LLL „The Womanly Art of Breastfeeding“ nun endlich auch auf Deutsch. Das erste „Handbuch für die stillende Mutter“ sah noch genau so aus wie das amerikanische Vorbild und war eines der ersten Werke über das Stillen, was deutschen Müttern zur Verfügung stand. Seitdem sind viele Bücher und unzählige Informationsblätter ins Deutsche übersetzt worden, viele davon in ehrenamtlicher Arbeit durch Beraterinnen. Die größte Übersetzung, die von LLLD herausgegeben wurde, ist das 2000 erschienene „Handbuch für die Stillberatung“ (Breastfeeding Answer Book), das erste Fachbuch für Stillberaterinnen, Hebammen und andere mit dem Stillen sich befassende Personen in deutscher Sprache.

Seit 1987 sind wir Affiliate von La Leche League International, eine autonome Tochterorganisation, die vertraglich an LLLI angebunden ist und deren Philosophie und Zielsetzungen teilt.
1990 war das Jahr der deutschen Wiedervereinigung. Vor diesem Datum war es nur sehr schwer möglich, sich in der ehemaligen DDR zur Stillberaterin ausbilden zu lassen, aber jetzt kam Bewegung ins Land. Auch im Osten der Republik gab es bald die ersten Stillgruppen, die ersten La Leche Liga-Stillberaterinnen, deren Arbeit oft anders als im Westen aussah, da in der DDR ein völlig anderes Mutterbild beherrschend war.

Seit Mitte der Neunziger ist LLLD auch im Internet präsent, seit 1999 beraten wir Frauen per Email. Im Laufe der Jahre sind viele Tausend Frauen so beraten worden, aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, aber auch aus allen Teilen der Welt, wo sich eben gerade deutschsprachige Frauen aufhielten. Welche Chance hätte eine Frau in der Wüstenstadt Dubai, eine deutschsprachige Stillberatung zu bekommen, gäbe es nicht das Internet!

Aber das Jahr 2000 war auch in anderer Hinsicht ein bedeutendes in unserer Vereinsgeschichte. Seit Gründung von LLLD gab es in Deutschland die weltweit einzigartige Situation, dass zwei LLL-Organisationen nebeneinander in einem Land vertreten waren: La Leche League Germany, in der sowohl viele amerikanische Frauen als auch alle anderen englischsprachigen Beraterinnen beheimatet waren, und La Leche Liga Deutschland. Seit 2000 gibt es nun nur noch eine LLL-Organisation in Deutschland, da sich LLL Germany und LLL Deutschland zu La Leche Liga Deutschland zusammengeschlossen haben.

Das steigende Aufkommen an Buchbestellungen und der Wunsch, eine zentrale Geschäftsstellenadresse zu haben, führten dazu, dass wir 2001 die Räume unserer Geschäftsstelle in Hille einweihen konnten. Gleichzeitig wurde Karin Busse fest angestellt. Unterstützt wird sie von drei Aushilfen. LLLD hat eine Größe angenommen, die es nötig macht, bezahlte Arbeitskräfte zu haben, da ehrenamtlich diese Arbeit nicht mehr bewerkstelligt werden könnte.

Seit 1996 sind wir online, seit 1999 gibt es die Homepage unter der Adresse www.lalecheliga.de. Und die im gleichen Jahr gestartete E-Mailberatung erfreut sich nach wie vor steigender Nachfrage, schon jetzt im Juni haben wir mehr als 1550 Anfragen beantwortet.

2007 gibt es ca. 240 aktive La Leche Liga Beraterinnen in Deutschland. Monatliche Gruppentreffen werden in vielen Städten und Gemeinden abgehalten, unzählige Telefonberatungen werden geleistet, viele Mütter bekommen Rat und Hilfe per Mail und der Name La Leche Liga ist vielerorts bekannt. Wir sind in der nationalen Stillkommission vertreten und beraten uns mit WHO, UNICEF, Vertretern der Ärzteschaft und der Hebammen, z. B. am „Runden Tisch zur Stillförderung“. 30 Jahre Arbeit haben reiche Früchte getragen. Trotzdem bleibt immer noch viel zu tun. Denn auch weiterhin werden Mütter unsere ganz besondere Art der Beratung, wie von Anbeginn an von Mutter zu Mutter, brauchen, um kleine oder größere Stillprobleme zu überwinden. Es wird weiterhin viel Aufklärungsarbeit nötig sein, auch wenn die Zahl der Personen, die sich beruflich mit dem Stillen beschäftigt, ständig steigt. Wir können nur hoffen, dass das Stillen wieder das wird, was es eigentlich ist: Die natürlichste und wirkungsvollste Art, die Bedürfnisse eines Säuglings zu verstehen und zu befriedigen.