| Weltstillwoche 2009 |
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Stillen ist lebenswichtig! – Bist Du dabei? Weltstillwoche vom 28.9. bis 4.10.2009 Die diesjährige internationale Weltstillwoche thematisiert die zunehmende Zahl von Notfallsituationen und Katastrophen auf der Welt. Eine Notfallsituation kann durch Naturkatastrophen hervorgerufen werden, aber auch „menschengemacht“ sein. Sie kann plötzlich, lang anhaltend oder periodisch auftreten. In Notfallsituationen herrschen Chaos, Unsicherheit, schlechte hygienische Verhältnisse, Mangel an sauberem Wasser, Nahrung, Treibstoff, medizinischer Versorgung und Unterkunft.
Stillen in Notfallsituationen In Notfallsituationen ist Muttermilch und Stillen eine hygienisch unbedenkliche, nachhaltige Flüssignahrung, die Kinder aktiv gegen Infektionen schützt. Künstliche Säuglingsnahrung bietet keinen Immunschutz und schädigt die schützenden Mechanismen der Darmwände des Säuglings, sodass Keime leichter eindringen. Die Risiken vergrößern sich durch die Abhängigkeit vom Nachschub an qualitativ einwandfreier künstlicher Säuglingsnahrung, an Wasser und Treibstoff. Dazu kommt, dass künstliche Säuglingsnahrung in der Vergangenheit immer wieder Verunreinigungen aufwies,3 ganz abgesehen von den hygienischen Problemen der Reinigung von Säuglingsflaschen und Saugern. Alle diese Schwachstellen zeigten sich beispielsweise 2005/6 in Botswana:4 Überschwemmungen führten zu einem immensen Anstieg an Durchfallerkrankungen und Todesfällen bei nicht gestillten Säuglingen. Im ersten Quartal 2006 war die Sterblichkeit der unter 5-Jährigen 22-mal höher als im ersten Quartal des vorangegangenen Jahres. In einer Klinik ergab die Überprüfung der Gründe für die Krankenhauseinweisung, dass nicht gestillte Kinder 50-mal häufiger eine Behandlung brauchten als gestillte Kinder und dass ihr Mortalitätsrisiko erheblich höher war. In einem Dorf starb kein gestilltes Kind, während 30 Prozent der nicht gestillten Kinder starben. Auch in den Industrieländern sind Kinder in Notfallsituationen gefährdet. Nach dem Hurrikan Katrina in den USA fehlte für viele Kinder die notwendige Nahrung und einige starben infolgedessen.5 Stillen ist ein Schutzschild für Kinder in Notfallsituationen Stillen in Notfallsituationen wird oft untergraben durch: Fehlendes Stillwissen: Mythen wie „Stress lässt die Milchproduktion zurückgehen“ und „Schlecht ernährte Frauen können nicht stillen“ sind häufige Vorurteile. Viele wissen nicht, dass Mütter ihre Milchproduktion steigern können, dass Relaktation auch nach dem Abstillen möglich ist, dass eine Amme zur Überbrückung oder wenn ein Kind verwaist ist, eine mögliche Alternative ist. Fehlende aktive Unterstützung und fehlender Schutz des Stillens: Mangelndes Stillwissen führt oft zu falschen Vermutungen. Notfallmanagement beschränkt sich häufig auf die Bereitstellung von Material. Fachkompetente Stillberatung und Unterstützung werden vernachlässigt. Aber genau das wird im Notfall gebraucht. Stillunterstützung bedeutet in diesem Fall, Mütter in Sicherheit zu bringen und dafür zu sorgen, dass sie Priorität genießen im Zugang zu Essen, Wasser, Unterkunft und einem geschützten Raum zum Stillen. Stillgruppen und Schulungen zur Stillberatung können notwendig werden. Spenden von künstlicher Säuglingsnahrung, anderen Milchprodukten und Flaschen: Notfallsituationen und Katastrophen ziehen in großen Mengen Spenden dieser Produkte nach sich. Häufig werden sie an alle Mütter verteilt und untergraben das Stillen. Die Folge sind Krankheit und Tod. Zum Beispiel erhielten nach dem Yogyakarta-Erdbeben in Indonesien 2006 75 Prozent der Eltern von Kleinkindern Spenden mit künstlicher Säuglingsnahrung. Das erhöhte die Rate an Durchfallerkrankungen bei Kleinkindern signifikant.6 Wahlloses Verteilen schadet auch den nicht gestillten Kindern, denn die Sorgfalt der Zubereitung, die notwendig ist, um die Risiken künstlicher Säuglingsnahrung zu minimieren, wird nicht mit verteilt. Was brauchen wir im Notfall? Wie oben aufgezeigt, brauchen wir, wie in jeder anderen Situation, aktive Unterstützung und Schutz für das Stillen. Die genauen Anforderungen sind situationsabhängig. Schutz bedeutet auch Schutz vor Spenden künstlicher Säuglingsnahrung, Milchprodukten und Babyflaschen. Schutz bedeutet, dass der Wert des Stillens und der Muttermilch in offiziellen Verlautbarungen betont wird und dass Presseerklärungen herausgegeben werden, die Mythen und falsche Vorstellungen vom Stillen richtig stellen. Bereit sein ist der Schlüssel zum rechtzeitigen Eingreifen. Was können wir tun? Stillende Mütter sollen sich darauf verlassen, dass sie ihr Kind auch im Notfall stillen und versorgen können. Wir können alle dazu beitragen ihnen ein gutes Umfeld zu bieten. Bist Du bereit? Ja, Du bist bereit! Sich informieren: Was im Notfall wichtig ist für die Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern, ist in der Broschüre „Operational guidance on infant and young child feeding in emergencies“ (IFE) in 10 Sprachen, leider nicht auf Deutsch, veröffentlicht.7 Andere informieren: Familie, Freunde, Mitarbeiter humanitärer Organisationen (auf den Gebieten Nahrung, Gesundheit, Wasser und Sanitär), Spender und die Medien über die Bedeutung des Stillens und die Gefahren künstlicher Säuglingsernährung in Notfällen aufklären. Netzwerken mit Hilfsorganisationen: Nachfragen, ob es Regeln gibt für aktive Stillunterstützung in Notfällen und Katastrophen und ob sie die Broschüre „Operational guidance on infant and young child feeding in emergencies“ kennen und anwenden. Treten sie gegen Spenden von künstlicher Säuglingsnahrung, Milchpulver und Babyflaschen in Notfallgebieten ein. Unterstützen Sie die Organisationen, die das Stillen unterstützen. Versuchen Sie mit diesen Organisationen zu kooperieren. Werden Sie aktiv für den Katastrophenschutz in Ihrem Land: Fragen Sie Ihre Regierungsvertreter nach Möglichkeiten, Katastrophenschützer und Mitarbeiter(innen) des Gesundheitswesens so fortzubilden, dass sie im Notfall wissen, wie das Stillen geschützt werden kann. Bilden Sie zusammen mit führenden Mitarbeitern des Katastrophenschutzes eine Arbeitsgruppe zum Thema „Säuglings- und Kleinkinderernährung in Notfallsituationen“. Hilfreiche Kontakte Besuchen Sie den Website www.ennonlife.net/ife. Hier finden Sie Informationen und Quellenmaterial. Die IFE Core Group ist eine organisationsübergreifende Arbeitsgruppe zum Thema Schutz und Unterstützung sicherer und angepasster Ernährung für Säuglinge und Kleinkinder in Notfallsituationen. Die Weltstillwochenmaterialien 2009 wurden von der IFE Core Group (Steuerungsgruppe) entwickelt. Innerhalb der IFE Core Group waren ENN und IBFAN-GIFA führend an der Gestaltung des Inhalts beteiligt. Betrifft uns das in Deutschland? Weltweit steigt die Zahl der Notfallsituationen. Jede Weltregion kann davon betroffen sein, auch die entwickelten Industrienationen. Das bedeutet, dass jeder Mensch überall vorbereitet sein sollte und wissen sollte, wie das Stillen aktiv unterstützt werden kann, um eine Gefährdung der Kleinsten auszuschließen. Gegenwärtig gibt es in Deutschland eine Warnung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bezüglich der gesundheitlich bedenklichen Belastung künstlicher Säuglingsnahrung mit MCPD-3-Fettsäureestern8 und Glycidol9. Diese Stoffe entstehen während des Herstellungsprozesses. MCPD-3-Fettsäureester führen im Tierversuch zu Hyperplasien der Nieren. „Aus Sicht der Risikobewertung besteht unmittelbarer Handlungsbedarf zur Reduzierung des Gehalts an 3-MCPD-Estern in Speisefetten und fetthaltigen Lebensmitteln, insbesondere in solchen, die zur Herstellung von Säuglingsnahrung (Anfangs- und Folgemilch) dienen.“4 Glycidol wird nach Erkenntnissen aus Tierversuchen als wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen eingestuft. Das BfR kommt in seiner Stellungnahme5 zu dem Ergebnis, dass Säuglinge, die ausschließlich mit industriell gefertigter Säuglingsmilchnahrung ernährt werden, gesundheitlich bedenkliche Mengen an Glycidol aufnehmen. Das bedeutet, dass in Deutschland eine akute Notfallsituation besteht. Eine Antwort der Politik auf dieses Problem ist nicht in Sicht. In Deutschland wird die Weltstillwoche koordiniert von der Aktionsgruppe Babynahrung (AGB), Untere Maschstr. 21, 37073 Göttingen, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! 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Quellen |
Weltstillwoche


